Dieses Jahr wollten wir den Winter austreiben – Biikebrennen auf Sylt

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Kennt ihr den Begriff Biikebrennen? Wir kannten ihn früher auch nicht. Aber jetzt können wir euch von dem wunderschönen Brauch ‚Biikebrennen auf Sylt‘ erzählen…

Wir haben jetzt schon einige Male auf der wunderschönen Nordseeinsel Sylt unseren Urlaub verbracht. Meistens haben wir uns dann in den  wärmeren Jahreszeiten auf der Insel getummelt. Vor zwei Jahren wollten wir die Insel dann aber auch in der Winterzeit kennenlernen und haben dort ein paar Tage über Silvester verbracht. Sylt ist nämlich auch im Winter ein herrliches Fleckchen Erde! Und am Strand in das neue Jahr feiern ist wunderschön und etwas ganz Besonderes. Allerdings teilen diese Einstellung über den Jahreswechsel, unserer Meinung nach, viel zu viele Menschen. Die Insel platzt fast aus allen Nähten. Natürlich findet man auch zu dieser Zeit schöne Strandabschnitte an denen man relativ ungestört spazieren gehen kann, aber in den Orten ist ein ordentliches Gequirle. Möchte man dann spontan in ein Café, ein Restaurant oder eine Strandbar, dann sollte man nicht zu enttäuscht sein, wenn es nicht klappt.

Also wurde in diesem Jahr ein neuer Anlauf gestartet, um die Ruhe und Weite der Insel im Winter zu genießen. Und diesmal sollte es der Februar sein, denn irgendwie haben wir in diesem Monat immer die Nase voll von den Wintermonaten und möchten etwas anderes sehen. Dass an einem Tag im Monat Februar dann auch noch viele Feuer auf Sylt brennen, hat uns neugierig gemacht. Und so wurde unsere süße kleine Ferienwohnung gebucht und los ging’s zum Biikebrennen nach Sylt.

Was ist denn nun das Biikebrennen?

Jedes Jahr am 21. Februar begehen die Sylter ganz traditionell ihr größtes Fest – die Biike. An diesem Tag lodern in 9 Ortschaften große Feuer mit denen man den Winter austreiben will. In der Geschichte wurden so aber auch die Seefahrer/Walfänger  von ihren Familien verabschiedet. Nachdem die Feuer runtergebrannt sind, sitzen alle Einheimischen und Gäste dann bei einem deftigen Grünkohlessen zusammen und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Auch das war im 19. Jahrhundert ein Grund für die Biike; es sollte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Sylter stärken.

Aber nicht nur auf Sylt ist dies ein Nationalfest, sondern in diesem Jahr haben insgesamt ca. 45 Feuer  in Nordfriesland, entweder auf dem Festland oder den Inseln und Halligen gelodert.

Rantum, Weg zum Samoa

Für uns beginnt der Biike-Tag mit einer tollen Überraschung. Die Sonne lacht  und ein strahlend blauer Himmel macht Lust auf den Frühling. Für uns heißt das, ab in die Schuhe und auf zu einem Strandspaziergang. Zunächst fahren wir aber mit dem Auto in Richtung Rantum. Der Parkplatz an dem Strandrestaurant Samoa Seepferdchen ist unser Ziel. Das Strandrestaurant liegt mitten in den Rantumer Dünen und an der schmalsten Stelle der Insel. Hier kann man die Aussicht auf das Wattenmeer und auf das Meer genießen.

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Nachdem wir unser Auto abgestellt haben, geht es schnell ans Meer. Ein frischer Wind sorgt für malerische Wellen und das in der Sonne glitzernde Meer lockt uns am Strand entlang. Und hier finden wir sie auch –  die träumerische Ruhe, die wir gesucht haben. Wir haben das Gefühl, dass der Sandstrand nie endet und das Rauschen der Brandung lullt uns ein. Der Alltag geht verloren und man ist nur noch im Hier und Jetzt. Einfach traumhaft.

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Sansibar – ein Muss nicht nur zum Biikebrennen auf Sylt

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So bummeln wir dann am Strand entlang, weichen ab und zu einer Welle aus und träumen vor uns hin. Irgendwann kommt dann der Strandübergang zur Sansibar. Die Sansibar ist das Strandrestaurant mit Kultstatus. Sie ist zum Markenzeichen der Insel geworden und  ist ein magischer Anziehungspunkt für Jung und Alt, Reich und Arm, Berühmt oder Normalo. Hier trifft man sich, beobachtet, relaxt und genießt leckeres Essen oder ein gutes Glas Wein. Bei ca. 1500 Weinen auf der Weinkarte sollte man da genug Auswahl haben.

Hier geht es jetzt natürlich nicht mehr ganz so ruhig zu, aber wir finden ein Plätzchen und genießen einen Klassiker der Sansibar: eine Currywurst mit Pommes! Lecker, sage ich euch. Das Rezept findet ihr übrigens hier…

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Nachdem wir das rege Treiben lange genug beobachtet haben, geht es jetzt wieder zurück. Und diesmal haben wir die Sonne im Rücken und es bietet sich ein ganz anderes Bild. Das Glitzern des Meeres und das weiche Licht geht verloren, aber dafür lässt das strahlende Blau des Himmels den Winter fast vergessen.

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Auf geht es zum Biikeplatz

Wieder in unserer gemütlichen Unterkunft angekommen, wird noch ein wenig relaxt und sobald es dämmert, bummeln wir gemächlich zum Biikeplatz in Westerland. Unterwegs begegnen uns bereits viele Menschen mit Fackeln, die auf dem Weg zu einem Treffpunkt für den Fackelumzug sind. In den Ortschaften treffen sich viele Einheimische sowie Urlauber an markanten Punkten zu Fackelumzügen, die von den ortsansässigen Musikvereinen begleitet werden. In diesem Jahr sollen es allein in Westerland über 1000 Menschen gewesen sein, die diesen Umzug begleitet haben.

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Wir ziehen es da allerdings vor, auf eigenen Wegen den Biikeplatz zu erreichen. Und als wir dort ankommen, haben sich auch schon viele Menschen rund um das hoch aufgeschichtete Feuer versammelt. Glühweinstände laden zum Aufwärmen (innerlich) ein, die Feuerwehr ist emsig damit beschäftigt alles abzusichern, aus Lautsprechern ertönt Musik und der Bürgermeister hält die wartenden Menschen mit Informationen zum Fackelumzug und zum Biikebrennen auf dem Laufenden.

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Und dann tönt es irgendwann aus den Lautsprechern: Tjen di Biiki ön! – Steckt die Biike an! Die erste Fackel fliegt im hohen Bogen in den vorbereiteten Holzstapel und viele weitere Fackeln folgen.

Tjen di Biiki ön – die magischen Wort zum Biikebrennen auf Sylt

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Und ruckzuck wird uns nicht nur warm ums Herz, denn das Feuer lodert schnell und taucht den Nachthimmel in ein gigantisches Licht.  Zunächst herrscht einen Moment eine andächtige Stille und alle starren fasziniert in das Feuer, dass in Windeseile immer mehr von dem Holzstapel erfasst. Dann kommt wieder Leben in die Menge, denn in der Zwischenzeit ist auch der Fackelumzug am Feuer angekommen und die Menschen verteilen sich um das Spektakel. Reden auf Hochdeutsch und Söl’ring werden gehalten und dann wird das Sylter Lied: „Üüs Söl’ring Lön‘ gesungen. Söl’ring ist übrigens ein Sylter Dialekt, der heute noch von ca. 700 Insulanern gesprochen wird. Man legt hier allerdings größten Wert darauf, dass es sich um eine eigene Sprache und nicht um einen nordfriesischen Dialekt handelt.

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Mitten in dem Holzstapel steht auf einem Pfahl eine Tonne. Es dauert einige Zeit bis die Tonne in das Feuer kippt und verbrennt, aber damit ist dann auch der Winter ausgetrieben.

Grünkohlessen gehört zum Biikebrennen unbedingt dazu

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Nachdem wir nun alles dafür getan haben, den Winter auszutreiben, geht es in die Seekiste, einem kleinen maritimen Restaurant. Wunderschöne friesische Fliesen an den Wänden sorgen für Gemütlichkeit und friesischen Charme. Gut, dass wir bereits von zuhause aus, einen Platz reserviert haben. Da das Grünkohlessen zur Tradition gehört, sind die Restaurants prall mit Einheimischen und Gästen gefüllt, die hier jetzt den Abend gesellig bei gutem Essen und netten Gesprächen ausklingen lassen. Bei einer der Biike-Reden wurde erwähnt, dass mehr ehemalige Sylter zur Biike auf die Insel zurückkommen als zu Weihnachten. Dies zeigt ganz deutlich, welchen Stellenwert das Biikebrennen einnimmt.

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Ein Speisekartenproblem gibt es an diesem Abend übrigens nicht, denn es wird fast ausschließlich das traditionelle Biike-Gericht aufgetischt: Deftiger Grünkohl, Fleisch und Kartoffeln. Der Grünkohl  ist für unsere Gaumen eher ein wenig ungewöhnlich, denn er hat einen süßlichen Geschmack. Aber nichts destotrotz hat er uns ausgezeichnet geschmeckt. Das ein oder andere Bier dazu,  einen Kümmel zum Nachspülen und unterhaltsame Tischnachbarn; es war ein wirklich toller Abschluss des Tages.

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Das heute traditionelle Grünkohlessen soll übrigens eher zufällig entstanden sein und ist nicht historisch begründet. Eine Geschichte erzählt, dass 1909 nach einem Biikebrennen mehrere angesehene Bürger in einem Keitumer Gasthaus gesessen haben. Nachdem die Herren vom kleinen Hunger überfallen wurden, hatte der Wirt aber nichts, außer einem Rest Grünkohl vom Mittagessen, anzubieten. Es soll den Herren aber so gut geschmeckt haben, dass es für sie jetzt jedes Jahr Grünkohl sein musste. Und das hat sich herumgesprochen und im Laufe der Jahre ist diese Tradition daraus entstanden.

Tipps für das Biikebrennen auf Sylt

  • Falls ihr einmal eine Biike mitmachen solltet, dann achtet auf die Windrichtung. Denn wenn ihr falsch zum Feuer steht und der Wind den Rauch in eure Richtung bläst, dann werdet ihr doch sehr geräuchert.
  • Nicht unbedingt den teuersten Nerz anziehen, denn Funken von Fackeln oder dem Feuer könnten euch auch mal zu nahe kommen.
  • Flache und bequeme Schuhe sind sehr hilfreich. Die Biikeplätze sind in der freien Natur, also uneben und mitunter auch matschig.
  • Warme Getränke werden dort von Vereinen angeboten, viele nehmen sich aber ihren Tee, Glühwein oder wie auch immer, im Rucksack mit.
  • Zum Grünkohlessen solltet ihr unbedingt rechtzeitig in einem Restaurant einen Tisch bestellen.
  • Gute Laune mitnehmen und einfach viel Spaß haben.

Hier findet ihr auch noch Interessantes und Schönes zum Biikebrennen auf Sylt

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8 Antworten

  1. Das ist ja witzig. Hier unten am Bodensee gibt es einen sehr ähnlichen Brauch. Hier wird jeweils am ersten Sonntag in der Fastenzeit der „Funken“ abgebrannt um den Winter zu vertreiben. Auch hier versammeln sich die Menschen um das Feuer, essen und trinken und quatschen. Was mir nicht gefällt, ist die Tatsache, dass der Winter in Form einer ausgestopften Puppe, der „Funkenhexe“ verbrannt wird – eine Tradition, die nur an wenigen Feuern adaptiert wurde.

    Ich war noch nie auf Sylt, hab immer gelesen, dass es wunderschön aber versnobt und teuer ist. Vielleicht wäre ja der Februar wirklich eine tolle Zeit um einmal hin zu fahren. Dein Beitrag mit den stimmungsvollen Bildern macht Lust darauf. Aber dann hätte ich bitte gerne auch euer Wetter. 🙂

    1. Hallo Anna, Sylt ist unserer Meinung nach wirklich wunderschön. Selbstverständlich gibt es auch versnobtes Verhalten, aber damit muss man ja nichts zu tun haben. Die Landschaft ist sowieso außen vor und aus dem Rest kann jeder machen, was er will. Die Preise sind Inselpreise und selbstverständlich etwas höher als auf dem Festland. Das Schöne auf Sylt ist aber auch, dass man von extremen Luxus bis zu einem ganz normalen Inselurlaub alles erleben kann. Und wir genießen in dieser wunderschönen Landschaft einfach immer nur einen entspannenden normalen Inselurlaub. Und wenn du dazu kommen solltest Sylt zu besuchen, dann wünschen wir dir auf jeden Fall ein herrliches Wetter.
      Liebe Grüße
      Manuela und Bernd

  2. Hallo Charlotta,

    danke für deinen tollen Beitrag. Wir waren vor 2 Jahren auch schon mal im Februar auf Sylt, allerdings die Woche vor Biike. Wir haben die Ruhe und due wenigen Besucher sehr genossen und uns in die Insel im Winter verliebt. Nächsten Februar wollen wir wieder hin.
    Wie viel ist denn rund um Biike auf Sylt los? Du hast zu Anfang deines Beitrags geschrieben, dass rund um den Jahreswechsel sehr viel los war. Ist das rund um Biike denn auch so? Wir schätzen den Winter auf Sylt ja gerade wegen den wenigen Besuchern.
    Wäre dir sehr dankbar um deine Einschätzung!
    Danke, Veronika

    1. Hallo Veronika,
      die Biike-Zeit ist trotz des Ereignisses eine ruhige Zeit. Zwar ist es in den Restaurants u.s.w. nicht leer, aber man bekommt immer einen Platz und Spaziergänge am fast menschenleeren Strand sind immer möglich.
      Liebe Grüße
      Manuela

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