24 Stunden in Hamburg

Geht es euch eigentlich auch manchmal so, dass ihr mit einer Stadt etwas Besonderes verknüpft? Das kann ein besonderer Geruch, eine bestimmte Farbe, ein einzigartiges Gefühl, ein bestimmtes Wetter… oder, oder, oder… sein!

Bei mir war es so, dass ich mit Hamburg ausschließlich Regenwetter und die Farbe grau verknüpft hatte. Wir haben im Laufe der Jahre einige Male Hamburg besucht und sind auf dem Weg zu unserer Lieblingsinsel auch häufig durch Hamburg gefahren. Jedes Mal hatten wir bedecktes oder regnerisches Wetter und so konnte ich mir Hamburg weder mit blauem Himmel noch mit Sonne vorstellen.

Im letzten Sommer war es dann soweit: Der Wetterbericht prognostizierte ein Traumwetter und wir hatten keine Termine.  Also haben wir spontan entschlossen, dass wir am Wochenende 24 Stunden in Hamburg verbringen werden.

Ein Hotel war schnell gefunden und so ging es samstags morgens zeitig los. Nach einer staufreien Autofahrt hatten wir gut 3 Stunden später Hamburg erreicht. An diesem Tag meinte es sogar der Hamburger Stadtverkehr gut mit uns und wir erreichten entspannt unser Hotel in der Speicherstadt.

Das stilvolle Ambiente, im 50-er und 60er Jahre Style, des Ameron Hotel Speicherstadt nimmt uns sofort gefangen. Wir werden in dem einzigen Hotel in Hamburgs Speicherstadt herzlich begrüßt und dürfen (trotz der vorzeitigen Ankunft) sofort einchecken.

Auch in unserem Zimmer setzt sich der klassisch, moderne Stil fort und mit einem Blick aus unserem Fenster sind wir einfach nur verliebt. Eine traumhafte Aussicht auf die Speicherstadt und den Brooksfleet. Ebenso können wir bereits den Blick auf den Frühstücksraum bzw. das Restaurant und der Eventlocation des Ameron Hotels genießen. Dieser gastronomische Teil hat in dem äußerst geschichtsträchtigen und denkmalgeschütztem Gebäude der ehemaligen Kaffeebörse sein zuhause gefunden. Die Hamburger Kaffeebörse war über Jahrzehnte weltweit die bedeutendste Warenterminbörse für Rohkaffee.

Aber wir wollten natürlich noch mehr, als den Blick aus dem Fenster genießen. Also bequeme Schuhe an und los! Nach einem nur 5-minütigem Spaziergang erreichen wir auch schon den Sandtorhafen.

Der Sandtorhafen war 1866 der erste künstlich geschaffene Hafen in dem Seeschiffe gelöscht werden konnten. Hier hatte man die Möglichkeit die Waren aus den Laderäumen mit Hilfe von dampfgetriebenen Kränen direkt in die Speicher zu laden. Heute ist hier ein Traditionsschiffhafen, in dem bis zu 25 historische Schiffe vor Anker gehen können.

Mit Blick auf die Rückseite der Elbphilarmonie schlendern wir jetzt ganz gemütlich durch das kleine Hafengebiet. Der Wechsel zwischen moderner Architektur am Hafenbecken und  alter Baukunst am Sandtorkai übt auf uns einen ganz besonderen Reiz aus. Und der Charme, der friedlich im Wasser liegenden Schiffe, tut das Übrige dazu…

Bald schon erreichen wir das im Januar 2017 eröffnete neue Wahrzeichen der Stadt, die Elbphilarmonie.  Das 110 m hohe Gebäude wurde auf dem Sockel des ehemaligen Kaiserspeichers im Sandtorhafen errichtet.

Wir sind überwältigt von dem gewaltigen Gebäude mit seiner geschwungenen Dachform und seiner glänzenden Glasfassade. Man hat das Gefühl, dass die Scheiben das Blau des Himmels, die treibenden Wolken und das Schimmern des Wassers widerspiegeln. Wir können es kaum abwarten, dass wir uns auf den Weg zur Aussichtsplattform machen dürfen, um die Aussicht über Hamburg zu genießen und einen Blick in das imposante Konzerthaus zu werfen.

Da ich lange Wartezeiten vermeiden wollte (es wird immer nur eine begrenzte Zahl an Menschen für die Plattform zugelassen), hatte ich bereits über https://www.elbphilharmonie.de/de/plaza zwei Tickets für den kostenlosen Besuch der Plattform (Plaza) gebucht. Hier wird dann allerdings eine Buchungsgebühr in Höhe von 2 EUR pro Person fällig. Da wir keine großen Freunde von Warteschlangen sind, war es uns das wert.

24 Stunden in Hamburg, Elbphilharmonie

Obwohl viele Menschen die Elphi bestaunen und geschäftiges Treiben herrscht, geht es sehr entspannt zu. Fotografieren, die Aussicht auf den Hafen und die Elbe genießen oder Eis essen, hier kommen alle Besucher auf ihre Kosten.

24 Stunden in Hamburg, Elphi
Rolltreppe Elbphilarmonie zur Plaza

Auf der Plaza, in einer Höhe von 37 m, angekommen, bietet sich dann eine traumhafte Aussicht auf Hamburg. Die Plaza verläuft rund um den Sockel der Elphi. Man hat also einen wunderbaren 360 Grad-Blick. Auf der Plattform tummeln sich zwar viele Besucher, aber die Menschenmassen sind gut verteilt, so dass man auch überall einen guten Blick hat.

24 Stunden in Hamburg, Sandtorhafen, Blick von Elphi
Blick auf den Sandtorhafen und die Speicherstadt
24 Stunden in Hamburg, Landungsbrücken
Landungsbrücken, Museumsschiff Rickmer Rickmers

Nachdem wir uns einen guten Überblick über Hamburg verschafft haben, machen wir einen ausgedehnten Spaziergang in Richtung St. Pauli und den Fischmarkt. Es geht vorbei an den Musicalhäusern (König der Löwen, Mary Poppins), dem Museumsschiff Rickmer Rickmers und der Cap San Diego. Die Rickmer Rickmers ist nicht nur ein Museum, sondern auch eine offizielle Schiffspoststelle mit Sonderstempel. Falls ihr in Hamburg Post verschicken möchtet, dann solltet ihr sie auf der Rickmer Rickmers einwerfen.

Solltet ihr Hamburg vom Wasser aus kennenlernen wollen, dann habt ihr an den Landungsbrücken die Möglichkeit mit den großen Fahrgastschiffen den Containerhafen zu erkunden. Oder, wenn ihr es gemütlicher mögt, dann schippert ihr mit kleinen Barkassen durch die Speicherstadt. An den Landungsbrücken findet ihr auch den Zugang zum alten Elbtunnel.

Wir haben aber alle diese Touristenmagnete ausgelassen, da uns sonst die Zeit zu knapp geworden wäre. Und wir wollten auch ein wenig entspannen und  relaxen. Denn ein Beach Club an den Landungsbrücken macht es möglich. Also geht es für uns in einen gemütlichen Liegestuhl mit feinem Sand unter den Füßen, einem kühlen Drink in der Hand und einem traumhaften Blick auf Palmen und den Hafen. Haben wir uns echt verdient …;-)

Nach Sonne, Palmen und Pause geht es weiter in Richtung Fischmarkt. Auf der einen Straßenseite haben wir zwischendurch das Gefühl in Kuba unterwegs zu sein…

… auf der anderen Straßenseite könnten wir das Museums-U-Boot 434 besichtigen. Aber es zieht uns weiter Richtung Fischmarkt…

Leider können wir uns heute den Fischauktionshalle nur von außen anschauen, denn der Fischmarkt ist nur sonntags von 5 – 9:30 Uhr geöffnet. Aber dann bekommt ihr hier alles, was das Herz begehrt. Und falls ihr nach durchzechter Nacht noch nicht genug habt, könnt ihr sogar noch eine kesse Sohle aufs Parkett legen.

Vom Fischmarkt aus haben wir einen fantastischen Blick auf die Elbphilarmonie. Und aus dieser Perspektive nehmen wir erst die interessante Architektur und die Besonderheit des geschwungenen Daches in seinem ganzen Ausmaß wahr.

So langsam fängt der Hunger an zu nagen und wir machen uns auf in das Portugiesenviertel, dass nur wenige Minuten von den Landungsbrücken entfernt liegt. Hier finden wir ein Restaurant  nach dem anderen und wir können uns kaum entscheiden, ob wir nun spanisch, portugiesisch, italienisch oder thailändisch essen wollen.

Da im Portugiesenviertel viele unterschiedliche Kulturen nebeneinander leben, hat dieses Viertel einen ganz besonderen, fast schon mediterranen Flair. Jedes Restaurant nutzt auch die kleinste Nische auf dem Gehsteig, um Tische aufzustellen.  Und obwohl es erst 17:30 Uhr ist, herrscht schon ein äußerst reges Treiben. Bei gefühlten 30 Grad genießen wir unser Essen und lassen das quirlige Leben um uns herum wirken.

Der Rückweg führt uns dann über den „Steinernen Orientteppich“ zurück in die Speicherstadt. Der Belag der Wilhelminen-Brücken ist mit buntem Granulat aus Marmor, Quarz und Granit gestaltet und soll daran erinnern, dass die Speicherstadt der größte Handelsumschlagplatz für orientalische Teppiche war.

Die Speicherstadt hat einen ganz besonderen und einmaligen Flair, dem man sich nicht entziehen kann. Die Geschichte ist hier fast greifbar und man möchte mehr über das Leben und das Treiben in der Vergangenheit erfahren. Seit 1991 steht die Speicherstadt übrigens unter Denkmalschutz und seit 2015 gehört sie zum Unesco-Weltkulturerbe.

Wir lassen uns durch Straßen und über Brücken treiben und genießen den Blick auf die Fleete und die roten Backstein-Speicherblöcke, die mit den Buchstaben des ABC gekennzeichnet sind. Mit etwas Fantasie kann ich mir noch die Gerüche von Kaffee oder Tee vorstellen, die in früheren Zeiten zwischen den Speichern gewabert sein müssen. Heute gibt es dort keinen Kaffee oder Tee mehr. Stylische Büros haben in den Speichern Einzug gehalten und die Touristen beleben die Orte, an denen in vergangenen Tagen geschäftiges Treiben herrschte.

Die Speicher stehen übrigens alle auf Eichenpfählen, die fest im Wasser verankert sind. Dazu die vielen Brücken, die es in Hamburg gibt. Es wundert als nicht, dass Hamburg, das Venedig des Nordens genannt wird.

Am Abend unternehmen wir noch einen Spaziergang zum Rathaus und zur Binnen-Alster. Von unserem Hotel aus, ist es nur ein ca. 25-minütiger Spaziergang in die Innenstadt und wir genießen das weiche Licht, dass jetzt über der Speicherstadt liegt und wunderschöne Lichtspiele in die Fleete zaubert.

Am Jungfernstieg lassen wir mit einem traumhaften Blick auf die Alster und einem Aperol den Abend ausklingen.

Der nächste Morgen beschert uns wieder strahlenden Sonnenschein. Nach einem ausgiebigen und sehr vielfältigen Frühstück checken wir aus unserem Hotel aus. Unser Auto dürfen wir in der Parkgarage stehen lassen und so machen wir uns noch einmal auf in die Stadt.

Wir besichtigen das wunderschöne Rathaus, bummeln durch die Alsterarkaden und beobachten die Schwäne. Dann entschließen wir uns zu einer Schifffahrt auf der Binnenalster.

Wir genießen die Sonne und den leichten Wind auf dem Schiff und lauschen den interessanten Anekdoten und Geschichtchen unseres „Kapitäns“.

Hamburg bietet vom Wasser aus eine ganz andere Sicht auf Hamburg. Gepflegte Gärten und Parkanlagen, Yachthäfen, romantische oder stylische Villen, Luxus-Hotels oder die Flaniermeile Jungfernstieg zeigen ein nobles und elitäres Hamburg.

Und dann haben wir zum Abschluss noch ein ganz besonderes Bild… alle drei Hamburger Wahrzeichen auf einen Blick. Diese Sicht auf die Nikolai-Kirche, das Rathaus und die Elbphilarmonie hat man nur von der Binnen-Alster aus.

Leider sind 24 Stunden irgendwann vorbei. Aber wir haben einen Eindruck von so vielen Facetten Hamburgs bekommen, dass wir unbedingt noch häufiger Hamburg besuchen wollen. Die grauen und tristen Bilder in meinem Kopf sind Geschichte und ich habe mich sogar ein bisschen verliebt …

Die Reise wurde von uns komplett privat finanziert und wir berichten nur über unsere positiven Erfahrungen.
Dir gefällt unser Beitrag? Dann teile ihn doch!

Verwandte Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei