Rund um den Sorpesee – eine Radtour mit Buchten, stürmischen Erinnerungen und Schwedenfeeling

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Das Locken der Sonnenstrahlen und die ersten neugierigen Blütenspitzen vor ein paar Wochen, haben auch uns gelockt und ins Freie gezogen. Da ich seit Dezember im Besitz eines neuen Fahrrades bin, das ich übrigens auf den Namen „Miss Charlotte“ getauft habe, sollte es eine Radtour sein, damit Miss Charlotte auch endlich aus dem Haus kommt.

Als Ziel haben wir uns den Sorpesee ausgesucht und das nicht von ungefähr. Ich bin in Stemel, einem kleinen Ort in der Nähe des Sorpesees aufgewachsen. In meiner Kinderzeit haben wir den Sorpesee häufig mit dem Rad, zu Fuß oder mit Rollschuhen umrundet oder sind in einer der vielen Buchten zum Schwimmen gegangen. Und genau diese Strecke „Rund um den Sorpesee“  wollte ich unbedingt einmal Bernd zeigen, bzw. schauen, was sich in den letzten Jahren (ich müsste Jahrzehnten schreiben, aber das hört sich soooo alt an) verändert hat.

Also die Räder auf das Auto und nach ca. 40 Minuten Fahrzeit haben wir meinen Geburtsort erreicht. Ich dirigiere Bernd direkt zu den mir bekannten Parkbuchten am alten Bahnhof in Stemel und siehe da, es gibt sie  immer noch.

Und dann geht es auch schon los… ca. 2 km fahren wir auf einer befestigten, aber nur für forst- und landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben Straße bergauf. Sofort kommt ein vertrautes Gefühl in mir hoch. Es gibt zwar zu Beginn der Strecke 2 – 3 neue Gebäude, aber die fallen eigentlich gar nicht ins Gewicht. Selbst die alten grauen Begrenzungspfeiler, die ab und zu zwischen den Bäumen stehen, sehen noch genauso windschief und moosbesetzt aus, wie vor vielen Jahren. Während der Fahrt stellt sich allerdings heraus, dass einiges anderes geworden ist. Dreiviertel des Waldbestandes, den es noch während meiner Kinderzeit gegeben hat, ist vor einigen Jahren dem Sturm Kyrill zum Opfer gefallen und dies hat der Strecke ein anderes Gesicht gegeben. Trotzdem bleibt ein Gefühl von „Zurück in die Kindheit“.

 

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Blick von Sperrmauer über den Sorpesee auf Langscheid

 

Auf dem Staudamm angekommen, legen wir erst einmal eine Pause und genießen den Blick über den Sorpesee.

Der ca. 8 km lange Sorpesee  ist einer der schönsten Stauseen des Sauerlandes. Mit einer Tiefe von 70 m ist er gleichzeitig aber auch der tiefste Stausee des Ruhrverbandes. Er liegt in einer sehr waldreichen Gegend im Norden des Naturparks Homert zwischen den Orten Langscheid und Amecke, die zu der Stadt Sundern gehören.

Der Sorpesee gehört neben dem Biggesee, dem Möhnesee und dem Hennesee zu den großen Stauseen des Sauerlandes und dient der Wasserregulierung der Ruhr und der Wasserversorgung des Ruhrgebietes.

Unterhalb des Sorpesees wurde bereits beim Bau der Talsperre ein Pumpspeicherkraftwerk errichtet. Somit dient der Sorpesee nicht nur der Wasserregulierung sondern auch der Stromerzeugung.

 

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Kiosk Sorpedamm

 

Es herrscht reges Treiben, denn viele Menschen nutzen den schönen Tag für einen Spaziergang, eine Radtour oder fahren Inliner. Begeistert bin ich, dass dieses alte Kiosk noch am Übergang zum Damm steht. Zwar gibt es die vielen bunten Spielzeuge, die riesengroße Auswahl an Souvenirs und die unterschiedlichsten bunten Postkarten nicht mehr, die zu meiner Kinderzeit zwischen den Pfeilern aufgebaut waren, aber Erfrischungen und kleine Snacks gibt es auch heute noch zu kaufen.

Neue Sitzbänke und Ruheliegen laden zum Verweilen ein und bieten schöne Aussichten auf den See, den Überlauf und auf Langscheid, der Ort , der auf der anderen Seite des Dammes liegt.

Der Staudamm, der von der Stemeler auf die Langscheider Seite des Sees führt ist ca. 700 m lang und ist aus Beton gegossen, der mit viel Erdreich abgedeckt wurde. Diese Bauweise hatte zur Folge, dass der Sorpedamm, im Gegensatz zum gemauerten Möhnedamm,  im Zweiten Weltkrieg den Bombenangriffen Stand gehalten hat.

 

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Blick auf Langscheid

 

Nach einer kurzen Pause machen wir uns wieder auf den Weg. Den Sorpedamm lassen wir zunächst rechts liegen und fahren auf der Waldseite geradeaus weiter. Es bietet sich eine tolle Aussicht auf den See und die vielen kleinen Buchten, in die wir als Kinder zum Schwimmen gegangen sind. Zu meiner Kinderzeit war dort allerdings alles bewaldet und den See haben wir von der Straße aus nur ab und zu mal durchblitzen sehen. Heute gibt es viele dieser Baumbestände nicht mehr und die Sicht auf den See ist wesentlich offener geworden. Aber auch das Waldgebiet auf der gegenüberliegenden Straßenseite existiert nicht mehr in der damaligen Form. Früher war dies eine schattige und dicht bewaldete Strecke, heute können wir die Sonne auf einem offenen Gelände mit schönen Aussichten genießen. Viele Bänke oder Ruhezonen sind errichtet worden und machen Lust auf ein Picknick in der Sonne.

 

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Der heute so minimierte Waldbestand hat übrigens auch einen Grund. Am 18. Januar 2007 tobte der Orkan „Kyrill“ über das Sauerland. Dabei hat er gerade hier eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und die Landschaft nachhaltig verändert.  Ein ca. 2 ha großes Areal wurde hier so belassen, wie Kyrill es hinterlassen hat. Es dient als Anschauungsfläche und  man soll die natürliche Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten beobachten können.

 

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Kyrill-Wald

 

Nach ca. 9 km entspannten Radfahrens auf ebener Strecke kommen wir in Amecke an. Am Überlauf vom Vorbecken in die Talsperre befindet sich auch die Anlegestelle für das Personenfahrgastschiff MS Sorpesee. In der Zeit von Karfreitag bis Ende Oktober kann man hier auch mit dem Schiff zwischen Amecke und Langscheid pendeln oder Rundfahrten auf dem See machen.

 

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Überlauf vom Vorbecken in Amecke in den Sorpesee

 

Hier an der Anlegestelle hat sich ein Eiswagen positioniert und der Andrang ist groß. Auch Bernd reiht sich in die Schlange der Wartenden ein und ein paar Minuten später, genießen wir bei Sonnenschein unser erstes Eis. Herrlich…

 

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Von hier aus hätten wir jetzt die Möglichkeit die Brücke zu überqueren und über einen ausgebauten Radweg an der Straße entlang Richtung Langscheid zu fahren.

Aber wir entschließen uns, noch ein kurzes Stück Richtung Amecke zu fahren, denn dort wurde 2013 der Airlebnisweg Amecke eröffnet. Der 3,4 km lange Erlebnisweg führt rund um das Amecker Vorbecken und an 20 Stationen wird das Thema „Wasser und Atmung als Kernbestandteil des Lebens“ erfahrbar gemacht. Hier kann man nicht nur lernen, sondern am Ufer des Vorbeckens findet man überall auf Ruheliegen und Bänken Entspannung.  Wer es locker mag, legt sich einfach auf die Wiese und genießt mit einem Eis oder bei einem Picknick den Blick auf das Wasser. Selbst heute, lassen sich schon viele am Ufer nieder. Das Kiosk wird augenscheinlich sehr gern genutzt und erst recht der wunderschöne Spielplatz, auf dem eine Menge Kinder herumtollen.

 

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Airlebnisweg Amecke

 

Nachdem wir uns den Airlebnisweg angeschaut haben, geht es zurück zur Brücke. Diese überqueren wir und fahren auf dem Radweg in Richtung Langscheid. Im Gegensatz zu meiner Kinderzeit ist dies heute viel komfortabler geworden. Früher hieß es für uns immer, die kurven- und waldreiche Strecke direkt an der Straße entlang zu fahren. Vor einigen Jahren hat man hier aber auf der kompletten Strecke einen Radweg gebaut, so dass wir heute bequem und gefahrlos die Sorpe umrunden können.

Der Sorpesee ist schon immer ein Anziehungspunkt für Erholungssuchende gewesen, aber in den letzten Jahren ist das Angebot für Touristen und Erlebnishungrige stark ausgebaut worden. Viele Freizeitmöglichkeiten wie Segeln, Angeln, Wandern, Radfahren, Tauchen, Surfen, Golfen und Klettern haben den Sorpesee zu einem beliebten Urlaubsziel gemacht. Unterkunftsmöglichkeiten gibt es in allen Variationen:  Vom Hotel bis zu Zeltplätzen ist alles vorhanden. Vor einigen Jahren wurde auch der Nordic-Ferienpark eröffnet und hier findet ihr wunderschöne Schwedenhäuser direkt am Ufer,  bunte Baumhäuser mit Blick auf den See, Tipis und ein Troll-Hotel. In dem dazugehörigen Restaurant, Kiosk und Rezeption mit dem tollen Namen „Meilenweit“ haben wir auf der Rückfahrt bei einem kühlen Glas Hefeweizen das schwedische Ambiente auf uns wirken lassen. Mehr Informationen findet ihr unter http://www.sorpesee.de/nordic-ferienpark-sorpesee.html.

 

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Nordic Park Sorpesee
Restaurant Meilenweit am Nordic Park Sorpesee

 

Am Ortseingang von Langscheid wird es dann trubelig. Restaurants, Cafés, Eisdielen und die Strandpromenade wirken wie ein Magnet auf Fußgänger, Rad- und Autofahrer. Ein Foto vom Hotel Seegarten, dass von dem Fernsehkoch Olaf Baumeister geführt wird, musste ich aber trotzdem machen. Nicht nur, dass ihr bei Olaf Baumeister wunderbar speisen könnt, die Poolanlage seines Hotels ruft einiges an Erstaunen hervor. Man kann die schwimmenden Personen nämlich von der Straße aus sehen, allerdings können diese auch den Blick auf den See genießen.

 

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Hotel Seegarten, Langscheid

 

Weiter geht es zur Promenade, die im Jahr 2009 komplett neu gestaltet wurde. Spielplätze, Ruhezonen und die Seebühne mit Blick auf den See sind zu Besuchermagneten avanciert. Dementsprechend viel ist hier auch los und das Fahrrad muss ein paar Meter geschoben werden, denn Fahren wäre hier jetzt zu gefährlich. Aber wenn wir an einem der ersten schönsten Frühlingstage und dann noch an einem Sonntag dort entlang fahren, dann hätten wir damit rechnen können. Vielleicht lag es an dem Gequirle, dass hier herrschte… aber obwohl die Strandpromenade wirklich wunderschön gemacht ist, hatte ich Sehnsucht nach der alten und gemütlichen Variante. Wir werden jetzt aber noch einmal in der Woche abends dort vorbei fahren, denn den Blick auf die langsam sinkende Sonne, die den See in eine glitzernde Wasserfläche verwandelt, müssen wir einfach noch einmal ganz in Ruhe genießen.

 

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Strandpromenade Langscheid

 

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Zurück geht es schnurgerade über den Damm und dann sind wir auch schon wieder an dem Kiosk an der Stemeler Seite angekommen. Jetzt geht es noch 2 km wieder den Berg hinunter und die Revivaltour „Rund um den Sorpesee“  hat viele Erinnerungen hervorgerufen und Bernd kennt meine Kindheit jetzt ein Stückchen besser.

 

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ehemalige Stemeler Bahnhof

 

Mit einer Übersicht wünsche ich euch viel Spaß, falls ihr die Strecke radeln werdet. Allerdings lohnt sich ein Besuch am wunderschönen Sorpesee auch ohne eine Radtour. Schwimmen, Wandern, an der Promenade flanieren oder mit dem Tretboot unterwegs, es wird keine Langeweile aufkommen.

 

 

Radkarte

 

Einen tollen Bericht zum Hotel Seegarten findet ihr bei „Fratuschi“, dem Blog von Sabine.

Kleine Auszeit am Sorpesee bei Olaf Baumeister

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2 Kommentare auf "Rund um den Sorpesee – eine Radtour mit Buchten, stürmischen Erinnerungen und Schwedenfeeling"

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Daniela
Gast

Eine sehr schöne Gegend. Danke für den Bericht und die tollen Fotos.

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